Cleave, Chris: Little Bee Drucken E-Mail
Geschrieben von: Cindy Loether   
Freitag, den 12. August 2011 um 20:52 Uhr

copyright: dtvSeiten: 320, Taschenbuch
Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Februar 2011)
Genre: Drama
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3-42324819-X
ISBN-13: 978-3-42324819-8
Originaltitel: The other hand (GB)
Erschienen: 1. Februar 2011

Little Bee ist sechzehn Jahre alt und wartet in einem englischen Asylantenheim auf ihre Abschiebung. Im Gegensatz zu vielen ihrer Mitinsassen kann sie ein bisschen lesen und kennt ein wenig das Land, in dem sie sich befindet.


Die aus Afrika stammende junge Frau kam nach England, da sie außerhalb ihrer kleinen Welt nur noch zwei andere Menschen kennt: Andrew und Sarah. Als sie unvermittelt aus der Abschiebehaft entlassen wird, versucht sie nach Kingston-upon-Thames zu gelangen, dem Ort, der auf Andrews Ausweis steht.

Kurz vor ihrer Entlassung ruft sie Andrew an, der sich wenig später umbringt. Als Little Bee endlich in Kingston-upon-Thames vor Sarahs Tür steht, trauert die erfolgreiche Geschäftsfrau um ihren Mann.

Mit diesem Tag ändert sich alles im Leben der Engländerin. Bees grausame Lebensgeschichte und die Geschehnisse um das, was sich damals bei ihrem ersten Treffen in Afrika ereignete, hinterlassen Spuren im Leben beider Frauen.

Chris Cleave erzählt eine Geschichte aus zwei Perspektiven: Zum einen erzählt die nigerianische Bee über das entsetzliche Grauen in ihrem Land, ihrer Flucht und ihrer Zeit in dem deprimierenden Abschiebegefängnis - unverblümt und ernst berichtet sie dem Leser von der Tristesse, der Angst und dem Entsetzen. Dabei hat sie sich trotz ihrer Angst tief im Herzen eine herzliche Freundlichkeit erhalten, welche den Charakter prägt. Sie ist dankbar für das, was sie hat.

Sarah hingegen ist geprägt von dem Fluss des normalen Lebens, dem Selbstmord ihres depressiven Ehemannes und Schuldgefühlen. Bee, die so viel Grausames erleiden musste, schafft es, Sarahs Lebensmut wiederzuerwecken, schöpft Mut und Kraft um weiterzuleben, auch für Sarah.

Der Autor schreibt in einem nuancenreichen Stil, der sich von den meisten heutigen Autoren durch seine Tiefe unterscheidet. Die Worte sind treffend gewählt und vermitteln einen starken Eindruck.

Der Leser findet ein Buch, welches anhand der Geschichte der Little Bee auf die verheerenden Zustände, die aussichtslose Situation der Asylanten in England aufmerksam macht und vor allem das Thema Gewalt in Afrika thematisiert.

Wir aus der westlichen Welt haben nicht die geringste Vorstellung davon, wie es in Afrika zugeht, wie die dortigen Menschen um ihr Leben bangen müssen. Chris Cleave gibt uns einen kleinen,  wenn auch erschreckenden Einblick in diese uns fremde Welt.