Lacrimosa: Revolution Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Hesse   
Sonntag, den 16. September 2012 um 22:47 Uhr

Hall of SermonLabel: Hall of Sermon
Genre: Goth-Metal
Erschienen: 7. September 2012


Vor 2 Jahren feierten Lacrimosa ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Im Anschluss daran führte eine Welttournee das Erfolgsduo quer durch Europa, Lateinamerika und bis nach Japan. Drei Jahre nach dem Album "Sehnsucht" legen Tilo Wolff und Anne Nurmi nun mit "Revolution" ihr elftes Studioalbum vor.


Die Band um den Wahlschweizer Tilo Wolff hat sich in 22 Jahren ihres Bestehens einen festen Platz in der deutschen Darkmusikszene erarbeitet. "Revolution" ist eine Veröffentlichung, die einmal mehr zeigt, dass die Ideen für Kompositionen noch lange nicht erschöpft sind.

Lacrimosa wagen hier in Form eines Konzeptalbums neue Wege, ohne dabei Altbewährtes über Bord zu werfen

Zwei prominente Musiker aus der Metal-Musik-Szene waren mit Tilo Wolff und Anne Nurmi gemeinsam im Studio. Mille Petrozza, seines Zeichens Sänger und Gitarrist der deutschen Trash-Metaller Kreator und Accept-Drummer Stefan Schwarzmann geben der Einspielung Drive und einen neuen breiten instrumentalen Background.

Dennoch klingt das Album ganz nach Lacrimosa. Das zeigt sich bereits beim Opener "Irgendein Arsch Ist Immer Unterwegs". Klassik und Rock verbinden sich zu einem mitreißenden Klangbild. Im provokanten Text prangern Lacrimosa die Situationen an, bei denen immer wieder Besserwisser, Ständignörgler und Parasiten die mit viel Engagement aufgebauten Objekte wie ein Kartenhaus einstürzen lassen und nur Frust bei allen Beteiligten zurücklassen.

Einsamkeit und Sehnsüchte durchziehen die Lieder wie ein roter Faden

In "If The World Stood Still A Day" zeigt die aus Finnland stammende Anne Nurmi glasklar und sauber ihre stimmlichen Fähigkeiten. Eine eingängige Melodie, Trommelklänge und ein gewaltiger Klangteppich untermalen den Gesang.

"Verloren" ist ein besonders außergewöhnlicher Song auf diesem Album. Hier zeigt sich anschaulich die musikalische Zusammenarbeit mit Petrozza und Schwarzmann. Der Track beginnt mit zarten synthetischen Klängen, bevor dann Bass und Drums einsetzen und das Stück zu einer dynamische Rocknummer werden lassen. Immer wieder mit elektronischen Akkorden und orchestralen Stings durchsetzt, bestimmen Gitarrenriffs den Sound. Diese musikalische Abwechslung klingt erfrischend anders. Der Song, mit über 7 Minuten der zweitlängste auf dem Album, beschreibt im Text das Scheitern im Leben.

Mit Sprechgesang beginnt "This Is The Night". Es ist das einzige Stück, das Tilo Wolff in englischer Sprache interpretiert. Gitarren und klassische Elemente sind die beherrschenden Elemente der Instrumentierung.

"Feuerzug" und "Rote Sinfonie"

"Feuerzug" beginnt mit einem speziellen Intro auf dem Piano und entfaltet sich im unverwechselbaren Stil à la Lacrimosa. Der Zug ins Nirgendwo rast mit uns dahin. Haben wir die Kraft ihn aufzuhalten? "Wir steuern selbst den Zug", heißt es im Lied. Das sollte zu denken geben.

"Refugium" (dt. Zufluchtsort) ist eine Ballade mit Pianobegleitung. Hier variiert Tilo Wolffs Stimme von leise flüsternd bis kraftvoll schreiend. Es ist die Sehnsucht und die Hoffnung, dass sich endlich etwas ändert, doch bis dahin: "Halt noch aus mein Leben, halt noch aus mein Herz."

"Weil Du Hilfe Brauchst" hat einen ganz persönlichen Anspruch. Es beschreibt in Form einer Rockballade das unendliche Warten und die vergebliche Hoffnung auf Veränderung im Leben. Wir sind alle Unikate, die aus ihrer Einsamkeit mit großer Sehnsucht letztendlich im Leben ankommen möchten.

Die "Rote Sinfonie" ist mit 11 Minuten das längste Stück auf dem Album und vereint viele musikalische Facetten. Piano, Rock, Metal, klassische Chöre, Orchester sowie verzerrte, dem Industrial nahe liegende Klänge bestimmen diese Rocksinfonie. "Alles was passiert, passiert zwischen mir und dir", so Tilo Wolff im Lied. Doch wer ist das Gegenüber?  Ist es Gott, ein Engel oder nur das andere Ich? Hier kann sich der Hörer selbst ein Urteil bilden.

Lacrimosa beschließen mit "Revolution" das Album

Im Schlusstrack Revoluton", der der CD den Namen gab, greift der Singer/Songwriter die Resignation in unserer Zeit auf und klagt mit "das ist unsere Revolution" provokant die Gesellschaft an. Als Fazit schreit er die letzten Textstellen: "Keiner ist allein auf dieser Erde, doch jeder ist allein in dieser Welt."

Die neue Veröffentlichung von Lacrimosa ist beachtlich. Sie erinnert entfernt an "Lichtgestalt" aus dem Jahre 2005, bei der auch Rock, Metal und Klassik eine gut dosierte musikalische Einheit bilden.

Unterstützt von den beiden Metal-Ikonen Mille Petrozza und Stefan Schwarzmann erreicht "Revolution" eine ganz neue musikalische Dimension und macht damit dieses Album einzigartig in der Bandgeschichte.

Trackliste
01. Irgendein Arsch Ist Immer Unterwegs 5:00
02. If The World Stood Still A Day 3:35
03. Verloren 7:29
04. This Is The Night 5:29
05. Interlude - Feuerzug (Part I) 0:46
06. Feuerzug (Part II) 4:41
07. Refugium 4:42
08. Weil Du Hilfe Brauchst 6:01
09. Rote Sinfonie 11:03
10. Revolution 5:23

Band
Tilo Wolff: Gesang, Keyboard, Trompete
Anne Nurmi: Gesang, Keyboards
Mille Petrozza: Gitarre
Stefan Schwarzmann: Schlagzeug

Tour zum aktuellen Album

28.09.12 Leipzig, Werk 2
29.09.12 Dresden, Schlachthof
30.09.12 Erfurt,Gewerkschaftshaus
01.10.12 Nürnberg, Hirsch
02.10.12 Magdeburg, Factory
04.10.12 Berlin, Postbahnhof
05.10.12 Rostock, Mau Club
08.10.12 München, Backstage
09.10.12 Karlsruhe, Substage
11.10.12 Saarbrücken, Garage
12.10.12 Bochum, Matrix
13.10.12 Köln, Essigfabrik
14.10.12 Ludwigsburg, Rockfabrik
15.10.12 Frankfurt, Das Bett
16.10.12 Hamburg, Gruenspan

Weitere Infos

Homepage Lacrimosa: www.lacrimosa.ch/
Facebook Lacrimosa: www.facebook.com/LacrimosaOfficial

Vielen Dank an Result Promotion und Hall of Sermon für die Bereitstellung des Rezensionsmaterials!