Lacrimas Profundere - Oli und Rob im Interview Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Hesse   
Sonntag, den 26. September 2010 um 21:50 Uhr

Bildrechte: Wolfgang Hesse
Hallo, Oli, hallo, Rob wie kam es eigentlich zu "Lacrimas Profundere"?

Oli: Die wenigsten wissen, dass wir früher Dark Eternity hießen. Der Name hat uns nie richtig gefallen. Dann kam mein Bruder durch Zufall in den Probenraum mit einem Lateinwörterbuch. Es fällt ihm aus der Tasche und bleibt liegen bei M oder L. Man blättert - und da steht "Lacrimas Profundere". Das heißt so viel wie "Tränen vergießen", hat uns gleich sehr gut gefallen. Wir wollten keinen deutschen oder englischen Namen, und "Lacrimas Profundere" benutzt bestimmt keine andere Band. Der Name ist seitdem irgendwie mein Leben.



Oli, im Frühjahr dieses Jahres kursierten viele Nachrichten über euch durch die einschlägigen Medien. Dabei war von Schwierigkeiten, die ihr als Band hattet, die Rede. Kannst du in ein paar Sätzen diese Situation zusammenfassen und sagen, wie du das aus heutiger Sicht empfindest?

Oli: Wir waren sehr viel auf Tour im vergangenen Jahr, und das ständige „Aufeinandersitzen“ war nicht mehr lustig. Es war einfach nicht mehr schön und ging uns sehr auf die Knochen, denn man lebt nicht wirklich gesund während der Touren. Ich hatte keinen Bock mehr, es ist mir alles zu viel geworden. So habe ich mir eine Auszeit von der Band genommen und überlegt, was man sein lassen könnte.

Letztendlich habe ich wieder angefangen, Songs zu schreiben, und da waren Sachen dabei, die ich zu gut fand, um sie im Schubkasten liegen zu lassen. Somit ist "The Gradiose Nowhere" für mich wie ein Neuanfang.

Zur Band gehören zurzeit:
Roberto Vitacca (Rob) – Gesang
Oliver Nikolas Schmid (Oli) – Gitarre
Tony Berger- Gitarre
Korl Fuhrmann – Schlagzeug.

Ihr seid nun zu viert ohne euren langjährigen Bassisten Peter Kafka. Wen konntet ihr als seinen Nachfolger für eure Konzerte gewinnen?


Oli: Auf der 69er-Tour und auf den großen Festivals haben wir einen Aushilfsbassisten. Die kleinen Konzerte, wie die Headlinertour, spielen wir ohne Bass. Wir spielen die Bass-und Keyboardsounds von unserem Harddisk-Rekorder ein. Ich will außerdem die Leute nicht verwirren. Wir sind u viert auf der Bühne wie auf dem CD-Cover.

Eure Musikrichtung bezeichnet ihr selbst als "Rock’n Sad".

Rob: Ja, wir wollten dem typischen Rock die Farbe entziehen. Mit dem Rock’n Roll, diesem fröhlichen Roll, wollen wir nichts gemeinsam haben. Daher gibt es das Traurige im Namen.

Oli: Für mich privat gehört fröhliche Musik dazu, jedoch zum Nachdenken regen mich eher die melancholischen Untertöne an. Wir versuchen, immer eine Gemeinsamkeit von Nachdenklichkeit, Traurigkeit, Freude und Party auf den Alben, ähnlich einer Achterbahnfahrt, zu vereinen. Dabei ist die Melancholie ein ganz wichtiger Punkt.

Warum sind eure Songs auf Englisch?

Oli: Wir können uns damit am besten ausdrücken. Außerdem reisen wir sehr gern. Mit Englisch kannst du schon im Ausland auftreten, auch wenn du noch keinen Kultstatus erreicht hast, denn Angebote aus Barcelona, Portugal, New York und Philadelphia sind auch ganz nett.

Was bedeutet euch Musik für eurer Leben?

Rob: Mein Start in den Tag beginnt bereits mit Musik. Ich mache im Moment auch gar nichts anderes mehr. Ich bin froh, dass ich das einfach leben darf. Es bedeutet für mich alles.
Oli: Bei mir ist Musik ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Ich weiß auch, wie zerbrechlich das Musikgeschäft ist, wie schnell das hoch geht und wie schnell wieder bergab. Da ich Familie und zwei Kinder habe, brauche ich für mich persönlich einen Ausgleich. Wenn die Musik mal nicht mehr läuft, möchte ich auch noch für meine Familie sorgen können.

Wo spielt ihr am liebsten?


Rob: Für mich ist egal, wo ich spiele, ob in einer großen Halle oder in einem kleinen Club. Es ist immer ein einmaliges Erlebnis, etwas ganz Individuelles.
Oli: Ich spiele lieber vor 30 Lacrimas-Fans als vor 5000 Festivalbesuchern, die eigentlich wegen anderer Bands gekommen sind. Große oder kleine Bühnen sind da sekundär.

Oli, du hast viel Anteil an den Songs von "The Grandiose Nowhere". Wie sind sie entstanden? Hast du, Rob, und die anderen auch Einflüsse geltend machen können?

Oli: Die Songs kommen ganz von selbst, ich brauche nur die richtige Stimmung.
Rob: Wir waren diesmal zu zweit und haben die Songs uns immer hin und her geschickt. So sind sie sehr viel reifer geworden und ich hatte mehr Zeit, mich mit den Songs auseinanderzusetzen. Es war eine feste Zusammenarbeit von uns beiden, Oli und mir.

Das Album wird allseits sehr gelobt. Was sagt ihr als die Macher des Albums dazu? Wie sind die ersten Erfahrungen und Eindrücke der vergangenen Konzerte?

Oli: Wir stehen zu 100% hinter dieser Platte. Wir finden sie, obwohl es kitschig klingt, als die beste bisher. Wir haben uns richtig reingehängt, alles versucht, was in dieser Situation der Band möglich war und hoffen, dass es den Fans gefällt.
Rob: Die Tour war bisher ziemlich cool, Konstanz war super cool, Stuttgart war das beste Konzert meines Lebens, München und Frankfurt waren ausverkauft!

Wie kam es zu der Idee, auf dem neuen Album Keyboard- und Pianosounds einzusetzen?

Oli: Wenn ich eine Melodie habe, dann spiele ich sie meist mit Gitarre ein, weiß aber immer, welches Instrument sie letztendlich spielt. Ich selbst spiele kein Klavier. Zwei gute Bekannte, Benny Richter von Krypteria und der Keyboarder von Eisbrecher, haben uns unterstützt. Sie haben viele geniale Ideen eingebracht, und so sind die Sounds in die Songs gekommen. Wir haben Sachen ausprobiert, die vor ein paar Jahren noch gar nicht möglich gewesen wären. Ich entdecke selber immer wieder Neues an der Scheibe

Rob, du hast bei den Liedern mehr Möglichkeiten, deine Gesangsstimme zu variieren. Das ist besonders bei "No Matter Where You Shoot Me Down" zu hören. Wie singst du am liebsten?

Rob: Das ist eigentlich meine wahre Gesangsstimme. Ich mag es auch super gern tief zu singen. Jedoch soll es nicht überzogen klingen. Bei dieser Scheibe war ich einfach freier, und das kommt gut an.

Die Songs sind von der Instrumentierung und Komposition her sehr emotional angelegt. Die Klarheit der Musik ist dabei faszinierend. Wie empfindet ihr selbst den Tiefgang der Songs? Gibt es bestimmte Favoriten für euch auf dem Album, und warum?

Rob: Ich finde die ganze Scheibe ist einfach cool. Jeder Song berührt mich in eigener Art und Weise, da ich immer versuche, in die Songs einzutauchen. Ein Highlight von mir ist "Dead Heart Serenade", weil ich mich da am längsten mit dem Text auseinandergesetzt habe.
Oli: Bei mir ist es "Not For Love" , da ist alles, was ich momentan fühle, bestens drin

Welche Bedeutung haben für euch Fans?

Oli: Ohne die Fans gibt es keine Band. Sie sind das wichtigste, und wir versuchen, das zu leben. Wir beantworten jede Mail und machen alles persönlich, obwohl es manchmal auch etwas dauern kann. Wir lieben wirklich den Kontakt zu den Fans und wir ehren die Leute, die unsere CDs kaufen.

Habt ihr vielleicht noch ein paar persönliche Worte für Fans und jene, die es werden könnten?

Oli: Danke an alle, die uns unterstützen, dass wir unsere Songs schreiben und spielen können, einfach unsere Liebe zur Musik äußern dürfen. Wenn die Leute nicht wären, die uns immer unterstützen, da gäbe es die Band nicht mehr.

Herzlichen Dank, Oli und Rob, dass ihr euch die Zeit für uns genommen habt!


Das Gespräch anlässlich des Konzertes im F-Haus Jena (14.05.10) führten Birgit Wappler und Wolfgang Hesse.