Lugburz - Songs From Forgotten Lands Drucken E-Mail
Geschrieben von: Mira Sommer   
Donnerstag, den 16. September 2010 um 00:15 Uhr

MatrixLabel: Blackrain
Genre: Fantasy Folk / Dark Ambient / Filmmusik
Erschienen: 4. Juni 2010

Eines der beliebtesten Themen, die musikalisch bearbeitet werden, ist Tolkiens Mittelerde. Nun hat sich Lugburz mit dem Album "Songs From Forgotten Lands" zum zweiten Mal dem Thema gewidmet. Herausgekommen ist nicht wie zu erwarten der x-te Abklatsch eines Märchenwaldmetalalbums, sondern eine durchaus düstere, fast gotische Sicht auf Mittelerde.

Es handelt sich hierbei um das zweite Album der 2002 gegründeten spanischen Band LUGBURZ. Lugburz ist ein Projekt des Multi-Künstlers Sathorys Elenorth [alias Narsilion, Der Blaue Reiter]. Heraus kam das Album bei Ars Musica Diffundere/Black Rain. Das erste Album des Projektes erschien bereits vor 8 Jahren und ist heute ein begehrtes Sammlerstück. Die Musik siedelt sich irgendwo zwischen Fantasy Folk, Dark Ambient und Filmmusik an. Lugburz ist ein Name für Saurons dunklen Turm Barad-dûr und wurde vor allem von Saurons Kreaturen verwendet. Sauron ist in „Herr der Ringe“ der Zauberer, welcher den einen Ring schmiedete und schließlich von Frodo besiegt wurde – so viel zur Einführung.

"Somewhere In Middle Earth – Gollum's Song" beginnt mit einem Klangteppich aus Höhlengeräuschen, Schwertern, die die Luft schneiden, klirrenden Ketten und Schnaufen. Aus diesem Cluster entwickelt sich ein dumpfer widerhallender Ton und alsbald eine Melodie, tief, träge, müde, skurril. Dieses die Kreatur Gollum repräsentierende Intro steht exemplarisch einführend für die Musik von Lugburz.

Ebenso atmosphärisch eröffnet sich Song zwei, "The Return To The Dark Ages", dem Zuhörer, mit rauschenden Winden, verzerrtem Wiehern und einer geheimnisvollen Stimme im Hintergrund, die zauberspruchartige Worte murmelt und so eine Mystik aufbaut, die sich durch das ganze Album zieht.
Die Stimme wird zum Chor, der ein wenig an „Cantus Buranus“ erinnert. Der Chor weist auf eine
episch-tragende Struktur in der Musik hin.

"The Ring Goes South" führt uns in die Ringgemeinschaft ein, marschartig optimistischer als seine Vorgänger begleiten die Erzählerstimme orchestral arrangierte elektronische Melodien. Und doch begegnet uns noch immer ein düsterer Unterton.

Wie auch in "The Shire" – das Auenland: Zauberhaft, anmutig, wie von einem bläulich-magischen Dunst umwoben, in dem sanfte Kaminfeuer brennen, man sieht förmlich Schmetterlinge durchs Dorfidyll fliegen und hört Abenteuer in der Luft schweben, die von der Weite des Landes ringsum, den Hobbits zu Ohren dringen. Eine Wehmut liegt in der Melodie, wie etwas lang verlorenes Fernes. All das birgt diese herrliche Musik vom Auenland. Besonders entzückend ist, dass das Auenland in dieser Form noch nie intoniert wurde, wobei diese Version genauso gut gefällt wie Howard Shores "Shire", wenn nicht gar besser.

Aus den lieblichsten Träumen reißt den Hörer dann Song fünf: "Morgul's Night". Man ahnt Schlimmes. Dieser englische Song spielt sich in Minas Morgul, der verseuchten Stadt der Orks und Nazgul ab. Ein düsteres Horn kündet von unheilvollen Heerscharen, genau wie die growlig-deathmetallige Stimme unter den Klängen.

Wie die Filmszene von Peter Jacksons "Return of the King" auf den Pelennor-Feldern hört sich der Klangteppich von "Riders Of Rohan" an, es könnte aber auch der Kampf mit dem Troll für dieses Arrangement Pate gestanden haben. Melodie und Gesang erinnern an das Tolkien-Ensemble. Die Wasser der Nimrodel rauschen und plätschern an die Ohren des Hörers im siebten Lied – wieder ein atmosphärisch dichter Song zum Träumen.

Die Mumakil-Reiter-Hörner aus Jacksons "Return of the King", mittlerweile fester Bestandteil aller Ton-Bibliotheken diverser Bands, erklingen in Song acht und kündigen die Schlacht auf dem Pelennor an, die sich entsprechend dramatisch gestaltet. Fiedelklänge schallen uns bei "Edoras" entgegen, doch nicht lange hält sich das Lied bei dieser traditionellen Lesart der Hauptstadt Rohans auf, sondern lässt die goldene Halle in magisch goldenem Licht erstrahlen, das fast an elbische Sphären erinnert – ebenso wie der Gesang. An dieser Stelle wünschte man sich einen Titel mit Elbenbezug, doch wird man hierbei aufs nächste Album vertröstet. Der letzte Song gibt vielleicht einen Ausblick: "Tears For A New Beginning"...

Eine deutsche Version von "Music In Middle-Earth" ist übrigens veröffentlicht bei Edition Stein und Baum unter dem Titel "Musik In Mittelerde“, ISBN 978-3-932683-14-5).


Trackliste
01. Somewhere In The Middle Earth (Gollum’s Song)
02. The Return To The Dark Ages
03. The Ring Goes To South
04. The Shire
05. Morgul’s Night
06. The Riders Of Rohan
07. Waters Of Nimrodel
08. Towards The Fields Of Pelennor
09. Edoras
10. Tears For A New Beginning