Corvus Corax - Sverker Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Hesse   
Samstag, den 26. November 2011 um 03:50 Uhr

© Behßmokum RecordsLabel: Behßmokum Records
Genre: Mittelalter / Folk
Erschienen: 25. November 2011

Wieder da

"Sverker" heißt das neue Album der Berliner Spielleute. Nun liegt es also vor, eine schwarze Scheibe, verpackt in ein gold-schwarzes Digipack, ein wahrlich schöner Anblick. Eine ganze Weile gab es keine Veröffentlichung aus dem Hause Corvus Corax, lag doch hinter den Spielleuten eine bewegte Zeit, die eine Umbesetzung der Band mit sich brachte.


Mit neuem Lineup und vielen Ideen begab man sich auf die Spurensuche, die zu den Wikingern und Kelten führte. Dabei bereisten die Musiker von Corvus Corax im letzten Jahr viele Länder, zwischen Mittel- und Westeuropa, von Frankreich bis zum Balkan, immer auf der Suche nach frischen Quellen für ihr Liedgut.

Fündig wurden sie unter anderem beim Schwedenkönig Sverker II


Dieser gab dem Album den Namen. Im gleichnamigen Lied besingen Corvus Corax den König, der in Anbetracht der Folgen eines bewaffneten Konfliktes in einen Waffenstillstand mit seinem dänischen Kontrahenten einwilligt.

Verpackt ist diese Botschaft mit epischer Poesie in eine sehr eindrucksvolle Melodie mit keltischer Harfe, Dudelsackthemen und schleppenden Trommelrhythmen. Der Chorgesang der Spielleute geht dabei unter die Haut und bleibt im Ohr.

Im 23. Jahr ihres Bestehens zeigen sich Corvus Corax abwechslungsreicher denn je

Jedes Lied punktet mit eigener Instrumentierung und wird damit unverwechselbar auf dem Album. Chorgesang und die charismatische Stimme von Castus kennzeichnen die Lieder und Balladen aus der nordischen Mythologie.

Durch eingefügte sehr kurze Tracks, ähnlich Intros, entsteht ein vielseitiges in sich stimmiges Gesamtwerk, das ständig zum Weiterhören einlädt. Corvus Corax setzen wieder auf ihr vielseitiges Instrumentarium. Die selbst ernannten Könige der Spielleute haben mit Instrumentenbauer Wim auch sehr gute Karten. Schon legendär ist dabei das Organistrum, die größte Drehleier der Welt.

Und so tauchen diese Instrumente sehr abwechslungsreich in den Liedern auf. Beherrschen bei "Gjallarhorni" hauptsächlich die Sackpfeifen den Sound, treten diese beim keltischen "Fiac dubh" in den Hintergrund und überlassen den keltischen Instrumenten den Vortritt. Die einfache Melodie, ein Wechselspiel aus Dur und Moll, verkündet der Frühling ist da und lädt zum Tanzen ein. Rabenschreie rufen nach dem Erwachen des Lebens.

"Ragnarök" ist mit 7.40 Min. das längste Stück auf dem Album. Es ist die Antwort der Spielleute Corvus Corax auf die Apokalypse 2012, wie sie im Kalender der Maya vorhergesagt wird. Die viel gerühmte Endzeit, der Untergang der Götter in der nordischen Mythologie, wie es die Dichtung Völuspá prophezeit, soll letztlich in eine neue paradiesische Ära für die Menschen münden. So endet die Interpretation von "Ragnarök" durch Corvus Corax nicht im Chaos, sondern in einer wilden hypnotischen Erwartung auf das, was danach kommen soll. Es ist ein Song mit vielen Tempowechseln und lädt zum Schluss sogar zum Mittanzen ein.

Was wären mittelalterliche Spielleute ohne Met und ausgelassene Fröhlichkeit? Sie würden sicher nicht Corvus Corax heißen. Daher dürfen auch auf diesem Album Trinklieder zum Mitsingen nicht fehlen. "Trinkt vom Met" ist ein kurzer A-Capella-Chorus in deutscher Sprache und leitet "The Drinking Loving Dancers" ein, das auf die Wikinger zurückgeht. Bei den kommenden Liveshows der Band wird dieser Song wohl zum echten Mitmachlied werden.

Gälisch zum Abschluss

Das gälische (altirische) "Lá í mbealtaine" bildet einen Ruhepunkt auf dem Album. Es erzählt vom Frühling, von einem Tag im Mai. Die akustische Ballade wird von Castus sehr gefühlvoll interpretiert und überzeugt mit einer etwas orientalisch anmutenden Melodie.

"Na láma sa" führt zurück auf die grüne Insel. Das mystisch melancholische Lied lässt den Blick über die irischen Küsten schweifen und den uralten Ruf nach Freiheit erklingen.

Fazit: Vielfalt und Abwechslung

Corvus Corax beweisen mit diesem Album, dass sie nicht nur Meister auf dem Sackpfeifen sind, sondern es auch verstehen, die leisen Töne zu spielen. Dieses Album überzeugt besonders durch seine Abwechslung und die Vielfältigkeit an Melodien, Sprachen und Gesang. Man spricht zuweilen vom besten Album, das Corvus Corax in den 23 Jahren abgeliefert haben.

Darüber lässt sich diskutieren. Fest steht: "Sverker" gehört in die erste Reihe der bisherigen Veröffentlichungen.

Durch das Beschreiten neuer folkloristischer Wege werden Corvus Corax neue Freunde für die Art ihrer Musik hinzugewinnen.

Trackliste
01 Intro Gjallarhorni
02 Gjallarhorni
03 Sverker
04 Fiach Dubh
05 Trinkt vom Met
06 The Drinking Loving Dancers
07 Lá í mBealtaine
08 Havfrue
09 Baldr
10 Ragnarök
11 Tjúgundi biðil
12 Na Láma-sa

Trailer zum Album: http://www.youtube.com/embed/VIgV9AT62-4

Band
Wim – Dudelsäcke, Schalmeien, Urhorn, Trumscheit, Schlagbass, Backing Vocals
Castus – Gesang, Dudelsäcke, Schalmeien, Urhorn, Cister, Harfe, Trumscheit, Schlagbass, Organistrum
Norri – Trommeln, Percussion, Urhorn, Gordon, Schlagbass, Backing Vocals
Hatz – Percussion, Urhorn, Backing Vocals
PanPeter – Dudelsack, Schalmei; Urhorn, Backing Vocals
Vit Polák – Dudelsack, Schalmei, Urhorn, Organistrum, Backing Vocals
Steve the Machine – Trommeln, Percussion, Pauke, Urhorn, Backing Vocals

Die Spielleute live zu erleben, dafür wird es in den nächsten Monaten reichlich Gelegenheiten geben:

SVERKER TOUR 2011/2012
26.11.11 Magdeburg - Factory
08.12.11 Rostock - MAU
09.12.11 Bochum - Christuskirche
10.12.11 Göttingen - MUSA
11.12.11 Dresden - Tante Ju
12.12.11 Wien - Szene
13.12.11 Nürnberg - Hirsch
14.12.11 München - Ampere
15.12.11 Freiburg - Jazzhaus
16.12.11 Konstanz - Kulturladen
17.12.11 Erfurt - HsD

20. 12.11 Berlin - Passionskirche
21. 12.11 Berlin - Passionskirche
22. 12.11 Berlin - Passionskirche

30.12.11 Gelnhausen - Sport & Kulturhalle

16.02.12 Hamburg - Knust
17.02.12 Wilhelmshaven - Pumpwerk
18.02.12 Bremen - Lagerhaus

23.02.12 Frankfurt - Nachtleben
24.02.12 Wuppertal - LCB
25.02.12 Kaiserslautern - Kammgarn

01.03.12 Cottbus - Gladhouse
02.03.12 Ingolstadt - Paradox
03.03.12 Annaberg-Buchholz - Alte Brauerei

09.03.12 CH Pratteln - Z7
10.03.12 Herford - X
11.03.12 Celle - CD Kaserne


Weitere Infos
Webseite: www.corvuscorax.de
MySpace: www.myspace.com/spielleute
Facebook: www.facebook.com/#!/CorvusCoraxBand


Vielen Dank an Absolut Promotion für die Bereitstellung des Rezensionsmaterials sowie an
KunstMedienPlatz für die Unterstützung!