Covenant: Leaving Babylon Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Hesse   
Sonntag, den 11. August 2013 um 16:33 Uhr

Cover Covenant We are leaving BabylonLabel: Synthetic Symphony (SPV)
Genre: Dark-Wave/EBM/Future-Pop
Erscheint: 06. September 2013

Nachdem die aktuelle Single "Last Dance" als Vorbote des kommenden Albums seit einem Monat die deutschen alternativen Charts aufmischte, weiß jeder, Covenant sind zurück. Nach dem Weggang von Daniel Myer (Haujobb) wurde es etwas still um die Schweden. Doch jetzt sind sie wieder komplett und ideenreicher denn je.

Eskil Simonsson (Gesang, Komposition), Daniel Jonasson (Keyboard, Sampler), Andreas Catjar (Keyboard, Gitarre) sowie Alt-Covenant Joakim Montelius (Lyrics, Patterns) schufen mit "Leaving Babylon" eine Scheibe, die mit alten und neuen Stärken glänzt und nur zwei Jahre nach dem letzten Album Modern Ruins veröffentlicht wird.

Dabei zeichnet sich der neue Longplayer nicht nur mit Dark-Dance-Hits à la "Last Dance" aus - denn viel Experimentierfreude lässt sich in mehreren Songs entdecken. Neben "Prime Movers" gibt es noch weitere Tracks, die die Dancefloors erobern könnten. Dazu zählen neben dem groovenden "For Our Time" das in sich stimmige und eingängige "Ignorance & Bliss".

Covenants Babylon bis heute

"Es herrscht ein Krieg der Besitzlosen gegen das Eigentum, der Industrie gegen den Ackerbau, des Beweglichen gegen das Stabile, des krassen Materialismus gegen die von Gott eingeführte Ordnung." Dieses bis in unsere Zeit zutreffende Zitat stammt aus dem Jahre 1810 und vom preußischen Adligen Friedrich August Ludwig von der Marwitz, der bereits zu seiner Zeit die Frühausläufer der Industriellen Revolution charakterisiert. Covenant zeigen mit ihrer "Babylon Timeline" im Booklet, dass man die Anfänge für diesen Prozess schon viel früher datieren kann.

Infoüberflutung als Inspiration

Dass Kommunikation nicht nur Segen mit sich bringt, ist nicht zuletzt durch die Enthüllungen über die Vorgehensweisen der NSA offenbar geworden. Im Zeitalter von Big Data und Prism ist der Krieg um Informationen und die Ordnung des Wissens in eine neue Stufe eingetreten. Die Informationsvielfalt überschwemmt alle Bereiche unserer Gesellschaft und das eigentlich Wichtige, ja das Lebensnotwendige, ist nur noch schwer auszumachen.

Dieses "Signal to Noice", in dem die Information in einem diffusen Rauschen untergehen, ist eine der alarmierenden Aussagen, die Covenant  beschäftigen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Track "I Walk Slow". Der nervigen Elekto-Modulation an Anfang folgen rasch zarte Gitarrentöne und eine innige Stimme Eskil Simonssons. In der Mitte des Songs zeigt ein  längerer Teil mit verzerrten Geräuschen an, dass keinerlei Details  mehr wahrgenommen werden, bevor zum Schluss wieder die sanften Gitarrentöne den Sound bestimmen und die Modulationstöne in den Hintergrund treten lassen.

Babylon II

Ambivalente Cembaloklänge leiten "Thy Kingdom Come" ein, gehen aber alsbald in einen synthetischen Sound über und vermischen sich danach mit den Zeilen "come heaven, come shadow, come crushing over me". Die ruhige, sehr abwechslungsreich instrumentierte Ballade "Not To Be Here" beschließt den Gesangsteil des Albums. Pianotöne leiten sphärischen Sound und Gesang ein und lassen einen  sehr emotionalen Song entstehen. "Babylon II" beendet das Album instrumental. Noch einmal wird musikalisch der Bezug zum Anfang hergestellt.

"Leaving Babylon": einige Songs sind nichts zum Nebenbeihören

Alle Tracks sind sehr hörenswert und eröffnen erst unter dem Kopfhörer ihre volle Brillanz. "Leaving Babylon" ist ein vielversprechendes Album. Einige Lieder sind ausschließlich für das bewusste und konzentrierte Zuhören zu empfehlen, also nicht für zwischendurch geeignet. Es überwiegen jedoch auf dem Album die sogenannten Elektro-Hits, die ins Ohr gehen und zum erneuten Hören einladen.

Trackliste

01 Leaving Babylon
02 Prime Movers
03 For Our Time
04 Thy Kingdom Come
05 I Walk Slow
06 Ignorance & Bliss
07 Last Dance
08 Auto-Circulation
09 Not To Be Here
10 Leaving Babylon II

Band
Eskil Simonsson (Geang, Komposition)
Daniel Jonasson (Keyboard, Sampler)
Andreas Catjar (Keyboard, Gitarre)
Joakim Montelius (Lyrics, Patterns)

Weitere Infos

Homepage: www.covenant.se/
Facebook:  www.facebook.com/pages/Covenant-OFFICIAL
Myspace: www.myspace.com


Bei Rezianer erschienen

Rezension Modern Ruin