Tanzwut: Freitag der 13. Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Hesse   
Dienstag, den 10. Februar 2015 um 18:24 Uhr

(c) TanzwutWenn Teufel und seine Mannen von Tanzwut am 13. Februar ein Album veröffentlichen, dann ist das gut überlegt. Name, Datum und Inhalt bilden hier eine Einheit – es ist eine Reise in die Welt des Aberglaubens und in die Tiefen der Seele der menschlichen Natur. Nach der akustischen "Eselsmesse" im Sommer 2014 gibt es ab diesem sagenumwobenen Freitag das neunte Studioalbum der Mittelalterrocker zu hören. Tanzwut, das ist ein Begriff aus dem dunklen, durch die Pest heimgesuchten Mittelalter. Die Leute tanzten ekstatisch meist bis zur Erschöpfung oder bis zum körperlichen Zusammenbruch, um diesem Sterben und dem grausamen Elend zu entkommen.

 

Schwarzer Mix und raue Töne

Heute verbindet man mit Tanzwut eine vielseitige und einfallsreiche Band, die es schafft, historische Instrumente, moderne Rockgitarren und Elektronik einzigartig miteinander zu verbinden. Dabei verleiht die Stimme von Frontmann Teufel der Band ein unverwechselbares Gesicht. Nach mehreren "Bäumchen wechsle dich" scheint nun die endgültige Besetzung von Tanzwut gefunden worden zu sein. Ein eindeutiger Beweis ist dabei der Song "Brüder Im Geiste", der Zusammenhalt und Verbundenheit ausdrückt, "denn wie Pech und Schwefel das sind wir". Ein Lied, das zudem die Freiheit und den "Gegen den Strom"-Kurs der Spielleute unterstreicht.

Freitag, der 13. wird hart

Obwohl Freitag der 13. im Volksmund seit jeher als Unglücktag gilt, versuchen Tanzwut mit den 13 (!) Liedern auch Hoffnung und Positives zu entdecken. Doch im eigentlichen Titelsong "Freitag der 13." geht es erst einmal zur Sache. Nach mystischen Klängen schlagen Gitarren einen harten metallischen Sound an, der hin und wieder durch die Sackpfeifen etwas gemildert wird. Im Text beschreibt Teufel mit einer sehr wandelbaren emotionalen Stimme alles, was hierzulande vom Aberglauben bekannt ist, schwarze Katzen, zerbrochene Spiegel, Totenvögel und natürlich die Zahl 13 in jeglicher Deutung. "Nimm dich in Acht vorm Bösen Blick." Das Cover zeigt passend dazu den besagten Blick und die fletschenden Zähne einer schwarzen Raubkatze, ein Layout das vom bekannten Grafiker Ingo Römling stammt.

Alsbald folgt mit "Die Zeit Heilt Alle Wunden" eine Ballade über das Vergangene und die Hoffnung auf eine neue, bessere Zukunft, "denn in der Asche ist noch Glut." Sackpfeifen und Schlagwerk bestimmen hierbei melodisch den Sound, der die Lyrik passend unterstützt.

Brot und Spiele

Den Blick auf unsere Gesellschaft haben Tanzwut im Song "Brot Und Spiele" im Visier. Im Song geht es um die dekadente Lebensweise und Überheblichkeit vergangener Herrscher jeden anderen Lebens gegenüber. Sind wir im übertragenen Sinne bereits mittendrin in solch einer Gesellschaft? Laben wir uns am Leid anderer? Sind wir die auf den Rängen, oder die Todgeweihten in der Arena? Genau diese Fragen möchten Tanzwut hier dem Zuhörer mit auf dem Weg geben. "Vorbei Ist vorbei" ist dagegen ein Lied, das einen Lebensabschnitt beendet und Platz für einen neuen schafft. Zurückschauen, aber auch offen sein für das Neue, das Unerwartete, sich den Wind um die Nase wehen lassen, genau dazu wollen Tanzwut den Zuhörer ermutigen und die nötige Kraft geben. Brachiale Rockgitarren werden in diesen melodischen Song wieder mit dem Klang der Dudelsäcke untermalt und mehrere interessante Rhythmuswechsel lassen überhaupt keine Langeweile aufkommen.

Es geht auch balladesk

Den Nerv der schwarzen Szene treffen Tanzwut zweifellos mit der schönsten Ballade des Albums: "Niemals Mehr". Kraftvoll und tiefsinnig ist der Text, der Wunsch nach positiver Veränderung, der Wunsch aus dem dunklen Tal endlich herauszukommen: "Niemals mehr alles verlieren, niemals mehr zerbrochen sein, niemals mehr für immer allein". Die dunkelschwarze Komposition und die Keyboard-Melodie mit Ohrwurmpotential werden den Zuhörer den gesamten Tag nicht mehr loslassen.

Auch "Ohne Sünde" ist eine nachdenkenswerte Rocknummer. "Wer wirft den ersten Stein?", doch wer ist tatsächlich so rein, dass er ohne Sünde ist? Teufel sieht das realistisch, so etwas gibt es nicht, denn dieser erste Stein "wird deine erste Sünde sein."

Musik zum Tanzen und Texte mit Tiefgang

"Freitag der 13." ist ein Album mit Musik zum Tanzen, mit Musik zum Mitsingen. Dazu kommen Texte mit Tiefgang. Lyrik und Musik von Tanzwut zeigen seit 2010 eine stetige und fortlaufende Weiterentwicklung. Instrumente, Gesang und die Interpretation von Teufel sind auf sehr hohem Niveau. Tanzwut wirken böser, schwärzer und härter als jemals zuvor.

Bekannte Größen der dunklen Musikszene konnte man zudem für Bonustracks und Remixe gewinnen. Eric Fish (Subway to Sally) und Martin Engler (Mono Inc.) sind mit Teufel im Duett zu hören. Bands wie Lord of the Lost und Rotersand haben sich Remixen angenommen. Auch Keyboarder versucht sich darin und hat seine ganz eigene Interpretation des Songs "Brot Und Spiele" beigesteuert. Da fällt es echt schwer, "nur" zu den 13 Songs als Album im Digipak oder zur hochwertigen limitierten Deluxe Book Edition mit den besagten Bonustracks zu greifen.

Eins bleibt auf jeden Fall, Tanzwutsongs werden ab 13. Februar 2015 die Konzertsäle und die Dancefloors der schwarzen Tanz-Tempel der Republik wieder zum Kochen bringen. Frei nach Teufel : "Lasst uns durchdrehen!"

Trackliste
Freitag der 13. (Standard CD)
01 Brot und Spiele
02 Brüder im Geiste
03 Freitag der 13.
04 Spielzeugland
05 Die Zeit heilt alle Wunden
06 Ohne Sünde
07 Der Zeitdieb
08 Niemals mehr
09 Des Teufels Braut
10 Vorbei ist vorbei
11 Spiegelkabinett
12 Bis der Morgen graut
13 Wenn wir untergehen

Freitag der 13. (Bonus CD)
01 Der Zeitdieb (Remix by Lord of the Lost)
02 Spiegelkabinett feat. Eric Fish (Subway to Sally)
03 Vorbei ist vorbei feat. Martin Engler (Mono Inc.)
04 Freitag der 13. (Rotersand Rework)
05 Brot und Spiele (Oually BumBumBombaMix)
06 Ohne Sünde (1.9.7.9. RMX by Frequen-C)

Band
Teufel (vocals)
René (guitar)
Der Zwilling (bass)
Shumon „Zack“ (drums)
Oually Bomba (keyboard, percussion)
Thrymr (bagpipe)
Pyro (bagpipe)

Tour zum Album
09.04. Aschaffenburg, Colos-Saal
10.04. München, Backstage
11.04. Wien, Szene
16.04. Bochum, Matrix
17.04. Siegburg, Kubana
18.04. Berlin, C-Club
23.04. Nürnberg, Hirsch
24.04. Dresden, Puschkin
25.04. Magdeburg, Factory
26.04. Rostock, M.A.U. Club
30.04. Thale, Walpurgisnacht
01.05. Losheim, Hexentanz Festival
Weitere Termine in Vorbereitung


Weitere Infos:
Homepage - http://www.tanzwut.com
AFM Records - http://www.afm-records.de/artists/de/T/tanzwut.html
Tanzwut Video "Freitag der 13."

 

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Vielen Dank an AFM-Records und Tanzwut Management für die Bereitstellung des Rezensionsmaterials, sowie für die Unterstützung durch KunstMedienPlatz!