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Fischer/Prescher: Nur noch kurz die Welt retten Drucken E-Mail
Geschrieben von: Charly Groß   
Donnerstag, den 09. Juli 2015 um 18:52 Uhr

Nur noch kurz die Welt retten - Fischer/Prescher - Konrad Theiss VerlagVerlag: Konrad Theiss Verlag
Autoren: Günther Fischer/Manfred Prescher
Genre: Sachbuch
Erschienen: 11. März 2015
ISBN: 9783806230635

Die Musikjournalisten Günther Fischer und Manfred Prescher lassen uns in die Geschichte der USA eintauchen. Bis hinein in die 50er-Jahre erfahren wir von den Irrungen und Wirrungen von Politik und Gesellschaft. Doch was hat das mit dem Buch zu tun? Die Antwort liegt auf der Hand: Songs entstehen nicht einfach so. Sie sind eingebettet in die Geschichte ihrer Songwriter. Der Titel "Nur mal kurz die Welt retten" lässt bereits vermuten, dass hier nicht nur die USA eine Rolle spielen wird und auch nicht nur das vergangene Jahrhundert. Selbst in Deutschland und anderswo wurde auf eigene Art ein Stück Musikgeschichte geschrieben. Hier geht es nicht um Bach und Beethoven, sondern um Musik der letzten Jahrzehnte mit ihren berühmtesten Songzeilen und ihrer Geschichte dahinter.

Mit der Wahl der Titel ist das so eine Sache. Genauso gut hätte das Buch sich "Let give them back" (Midnight Oil), "Every step I take" (Puff Daddy), "In the 2525" (Zager & Evans) oder auch ganz anders nennen können. Die hier zusammengetragenen Songzeilen haben eine Story. Mal ist sie politisch, mal persönlich motiviert - doch fast jedes dieser vorgestellten Lieder war mindestens ein Ohrwurm, der sich für Wochen in den amerikanischen und/oder europäischen Charts weit oben hielt.

Dabei ist vielleicht nur die Musik zunächst das Ergreifendste. Doch schaut man etwas genauer hin, ist der Hintergrund umso interessanter.

Songzeilen - eine Auswahl

Brennende Betten

"Beds Are Burning" von Midnight Oil kennen die meisten. Man gehe davon aus, dass die Zeilen "How can we dance when our earth is turning" "How can we sleep while our beds are burning" eine aufrüttelnde Nummer gegen die "Vergewaltigung" der Welt darstellt, Tiere verenden, Pflanzen sterben aus und die Wasser werden schmutzig. Das "give them back" könnte man demzufolge auf die noch ungeborenen Kinder beziehen, die die Welt, wie wir sie noch kennen durften, nicht mehr erleben werden. Man sorge sich schlicht um die Zukunft, die die Menschen gerade zerstören. Doch Prescher und Fischer haben genauer zugehört und recherchiert. Es sind nicht etwa unsere ungeborenen Kinder, um was sich das Lied sorgt und es hat auch nichts mit der Zukunft zu tun. Vielmehr geht es in dem Lied um die Urvölker Australiens, um ihre Rechte auf Land und "Civil Rights". Ihre Betten sind es, die brennen, denn ihre Welt hat sich verändert - ein Gedanke bleibt jedoch bei beiden Interpretationen gleich: Die Menschen, um genau zu sein, die heutige "zivilisierte" Menschheit, wird in dem Song verbal aufgerüttelt.

Erde vs. Mensch

"In The Year 2525" spielt ein Szenario durch, wie die Menschheit in ein paar Jahrhunderten auf der Erde leben wird. Das Lied ist von 1968, doch was es voraussagt, hat erstaunliche Genauigkeit mit dem, was apokalyptische Zukunftsvisionen von dem Zuviel an Fortschritt heraufbeschwören. Um sich zu amüsieren, werden Pillen geschluckt, Roboter erledigen den Großteil der Arbeit (Man denke nur an "Wall:E"). Nach und nach werden sich die Menschen fremder, die Anonymisierung setzt ein und trotz Wissenschaft werden die Lebensmittel knapper. Das Lied ist keine schöne Vision und gehört, wenn man so will, in die "dunkle Ecke". Die Melodie ist jedoch alles andere als schwer(mütig) und so läuft es heute wie damals noch oft im Radio nebenher.

I don't like Mondays

1979 schrieb Songwriter Bob Geldof einen Song, der sich in den Charts tummelte. Doch wenige, vor allem außerhalb den USA, verstanden seine Bedeutung. Inspiriert wurde der Musiker nur zum Teil von dem Gefühl, das man hat, wenn das Wochenende vorbei ist und der Ernst des Berufsalltags wieder eintritt. Der wahre Grund für diesen Nummer-Eins-Hit war wesentlich skurriler. Ein Mädchen, Brenda Ann Spencer, beobachtet an einem Montag vom Fenster ihres Elternhauses aus Lehrer, Mitschüler und "Nebenfiguren" auf dem Schulhof. Das nächste, was das Mädchen in den Händen hält, ist eine Waffe aus dem Waffenschrank des Vaters. Damit schießt sie auf ihren Lehrer, den Hausmeister und Schüler. Lehrer und Hausmeister sterben. Schüler werden verletzt. Als ein Journalist die 16-Jährige per Telefon, während ihrer Montagsbeschäftigung, nach den Gründen befragt, sagt sie: "I don't like mondays. This livens up the day." Geldof musste nur noch von diesem Moriv hören, und Titel und Story für den neuen Song waren da. Unter anderem hat diesen Song auch Jon Bon Jovi gecovert, zusammen mit Bob Geldof.

Rapper-Tragödie auf hohem Niveau

"Every Step I Take" kennen wir von den Police als ruhiges Liebeslied, aber auch von Gangster-Rapper Puff Daddy. Wie der raue "Daddy" zu dem Song kam, haben Fischer und Prescher recherchiert. Dieser Beitrag ist einer der längsten im Buch. Nur so viel sei gesagt: Es hat eng mit der Rapper-Krimigeschichte zu tun, die sich in den Neunzigern abspielte, genannt: Beef. Puff Daddy trauert hier, rappend, um einen Freund, während die Frauenstimme von Faith Evans den Police-Refrain wiedergibt.

Kent-State-Massaker

"Four Dead In Ohio" ist eines der (gesellschafts-)politischen Lieder, die hier exemplarisch für wesentlich mehr stehen sollen. Die Unruhen, die sich in den Songs der damaligen Tage in den USA bemerkbar machte, hat ihren Ursprung entweder in der Apartheid oder in den Protesten gegen den Vietnamkrieg. Die Vorgeschichte zu "Four Dead In Ohio" spielt sich 1970 ab. In dieser Zeit dauerte der Vietnamkrieg bereits 15 Jahre an und die Menschen wollten Frieden. Als Präsident Nixon eine neue Invasion bekannt gab, rührten sich überall im Land Proteste. Es kam immer wieder zu Anti-Kriegs-Demonstrationen. Am 4. Mai 1970 demonstrierten viele Studenten vor ihrer Kent-State-Universität. Aus Verzweifung forderte der Bürgermeister militärischen Schutz. Dieser kam als Nationalgarde. Soldaten schossen, ohne sich in Gefahr zu befinden, in die Masse der Demonstranten. Viele wurden verletzt. Vier Studenten starben. Der Schock saß tief bei den Studenten. Einige davon waren Musiker und sahen sich durch die Tat zu musikalischen Statements inspiriert. "Four Dead In Ohio" von Neil Young ist eines davon.

Aufbau

Von Seite 9 bis 222 erstrecken sich die Geschichten über Songzeilen und deren Musiker. Die Autoren haben das Buch nach den Songs sortiert, aus denen die Songzeilen entnommen sind. Die erste Geschichte beginnt mit "54, 74, 90, 2006" von Sportfreunde Stiller, an dem sich "A Horse With No Name" von America anschließt. Man achte bei dem Durchblättern also nicht unbedingt auf bekannte Zeilen, sondern kenne die Songtitel? Es geht auch einfacher. Eine wesentlich leichtere Variante ist das Durchblättern der beiden Register ganz am Ende. In dem einen werden die Songzeilen aufgelistet. In dem anderen finden sich die Namen der Musiker bzw. Bands, die in dem Buch mit den Songzeilen in Verbindung gebracht werden.

Fischer und Prescher schreiben jeder für sich ihre Geschichten auf. Am Ende der jeweiligen Story stehen die Kürzel für den Verfasser (gf bzw. mp).

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichten sind in der Regel anderthalb Seiten lang. Es kann daher schnell passieren, dass der Lieblingssong überblättert wird. Außerdem lässt sich anhand des Covers oder des Klappentextes schwerlich erkennen, welche Songs dort näher beschrieben stehen, daher hier nun also das Inhaltsverzeichnis. Songs von Vertretern der schwarzen bzw. alternativen Rockszene werden in dieser Variante fettmarkiert.

 

Titel Musiker/Band
54, 74, 90, 2006 Sportfreunde Stiller
A Horse Without A Name America
All I Wanna Do Sheryl Crow
Avalon Roxy Music
Baker Street Gerry Rafferty
Beautful Noise Neil Diamond
Beds Are Burning Midnight Oil
Beetlebum Blur
Bitch Meredith Brooks
Black Skinhead Kanye West
Blitzkrieg Bop Ramones
Blue Monday New Order
Bo Diddley Bo Diddley
Creep Radiohead
Crimsons And Cover Tommy James & The Shondells
Dancing The Street Martha & The Vandellas
Diana Paul Anka
Disco 2000 Pulp
Don't Let The Sun Go Down On Me Elton John
Don't Worry, Be Happy Bobby Mc Farrin
Downtown Train Tom Waits
Eve Of Destruction Barry McGuire
Everybody Loves Somebody Dean Martin
Fever Little Willie John
Fight The Power Public Enemy
For What It's Worth Buffalo Springfield
Get Lucky Daft Punk feat. Pharrell Willams
Get Off My Cloud The Rolling Stones
Get Up (I Feel Like A Being) Sex Machine James Brown
Go Your Own Way Fleetwood Mac
Good Rockin' Tonight Wyonie Harris
Halbstark The Yankees
Haus Am See Peter Fox
Hereos/Helden David Bowie
Hit Me With Your Rhythm Stick Ian Dury & The Blockheads
Hit The Road Jack Ray Charles
How Soon Is Now? The Smiths
Hurt Nine Inch Nails
I Need A Dollar Aloe Blacc
I Put A Spell On You Srceamin' Jay Hawkins
I Still Haven't Found What I Am Looking For U2
I Will Always Love You Dolly Parton
I Will Wait Mumford & Sons
I'll Be Missing You Puff Daddy
I'm Not In Love 10CC
Ich will Spaß Markus
If I Had A Hammer (The Hammer Song) The Weavers / Pete Seeger
Im Ascheregen Casper
In The Dutch Mountains Nits
In The Year 2525 Zager & Evans
Invisible Touch Genesis
Israelites Desmond Dekker & The Aces
Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini Brian Hyland
Jackson Johnny Cash & June Carter
King Of The Road Roger Miller
Later Alligator Bobby Charles
Layla Derek & The Dominos
Leider Geil Deichkind
Lightning Bolt Jake Bugg
Like A Hobo Charlie Winston
Living Next Door To Alice Smokie
Love Potion No. 9 The Clovers
Love The Way You Lie Eminem feat. Rihanna
Love Will Tear Us Apart Joy Division
Macht Kaputt, Was Euch Kaputt Macht Ton Steine Scherben
Massachusetts The Bee Gees
Mellow Yellow Donovan
MfG Die Fantastischen Vier
Minne The Mocher Cab Calloway
Mull Of Kintyre Wings
My Way Frank Sinatra
Never Gonna Give Yo Up Rick Astley
Nur Noch Kurz Die Welt Retten Tim Bendzko
Four Dead In Ohio Crosby, Stills, Nash & Young
Okie From Muskogee Merle Haggard
One Nation Under A Groove Funkadelic
Only Happen When It Rains Garbage
Over The Rainbow Judy Garland
Papa Was A Rolling Stone The Temptations
Please, Mr. Postman The Marvelettes/The Beatles/The Carpenters
Poker Face Lady Gaga
Prayer In C Lilly Wood & The Prick and Robin Schulz
Proud Mary Credence Clearwater Revival
Ring Of Fire Johnny Cash
Rock Me Amadeus Falco
Roll Over Beethoven Check Berry
Runaround Sue Dion
Sad-eyed Lady Of The Lowlands Bob Dylan
Seasons In The Sun Terry Jacks
See Emily Play Pink Floyd
She's Not There The Zombies
Should I Stay Or Should I Go The Clash
Shout Tears For Fears
Sign O' The Times Prince
Sixteen Tons Tennessee Ernie Ford
Sixty Minute Man The Dominos
Spanish Eyes Al Martino
Stand By Me Ben E. King
Stand By Your Man Tammy Wynette
Strange Fruit Billie Holiday
Summertime Billie Holiday
Summertime Blues Eddie Cochran
Suspicious Minds Elvis Presley
Sweet Home Alabama Lynyrd Skynyrd
Sylvia's Mother Dr. Hook / The Medicine Show
The Air That I Breathe The Hollies
Take Me Home, Country Roads John Denver
This Is Not A Love Song Public Image Ltd.
Venus in Furs The Velvet Underground
Vienna Ultravox
Viva La Vida Coldplay
Walk This Way Aerosmith
Wake Me Up Avicii
(We Don't Need This) Fascist Groove Thang Heaven 17
We Are All Wounded At Wounded Knee Redbone
What's Going On Marvin Gaye
When I Was Young The Animals
Who's Afraid Of The Big Bad Wolf Pinto Colvig, Mary Moder, Dorothy Compton
Willy Konstantin Wecker
Wind Of Change Scorpions
Wonderful World Sam Cooke
You Really Got Me The Kinks
You're So Vain Carly Simon

 

Vielen Dank an WBG Wissenschaftliche Buchgesellschaft für die Bereitstellung des Rezensionsmaterials!