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Reisen auf den Spuren der Wikinger Drucken E-Mail
Geschrieben von: Mira Sommer   
Samstag, den 12. September 2015 um 20:51 Uhr

GroenlandIch sitze gerade auf einem Ozeanriesen und versuche zu schreiben, während alles um mich herum schwankt, mitten auf dem Atlantik zwischen Island und Grönland. Es nieselt draußen, der Seegang wird heftiger. Doch den gleichen Weg haben die Wikinger damals in Holzschiffen hinter sich gebracht - mit den tieferen, hochseetauglichen. Für Vergnügungsfahrten und Überraschungsangriffe gab es die flachen Schiffe, mit den breiten Decks und dem niedrigen Kiel. Auf unseren modernen Schiffen sind Hochseetauglichkeit und Vergnügen vereint. Will man sich den Stätten der Wikinger nähern und sie begreifen, nähert man sich ihnen am besten mit dem Schiff - und dem passenden Soundtrack. Genau das habe ich gemacht, voller Neugier auf Meerjungfrauen, Wale, Meeresungeheuer und Trolle.

Statue MeerjungfrauEin guter Start ist die wunderschöne Ostsee. Von dort aus mit dem Schiff nach Dänemark übersetzen, erster Stopp: Kopenhagen. Gleich dort begegnet uns das erste fabelhafte Wesen: die kleine Meerjungfrau. In der Nähe des Hafens sitzt sie anmutig auf einem Stein und schaut wehmütig auf das von ihr so geliebte Festland. Fast lebendig scheint Andersens berühmteste Märchengestalt, so lebendig, dass täglich Scharen von Besuchern ihre keuschen Flossen oder Hände berühren wollen. Ein älterer Amerikaner aus Maryland fragt mich: "What is it all about?" Wir schwadronierten über Kreuzreisen, Märchen und Touristen. Zwischendurch kam immer wieder das Schubsen, Treten, Rufen, denn jeder will ein schönes Bild vor der Statue.

Wer das Gewusel und die Ellenbogen abertausender Touristen aller Herren Länder nicht ertragen kann, sollte wohl in den frühesten Morgenstunden die Statue bewundern - oder sich eine der anderen Statuen ansehen wie die hässliche moderne Version oder die riesenbrüstige Nixe direkt am Liegeplatz. Ein Spaziergang zum Wachwechsel vor dem Rathausplatz kann auch ganz amüsant sein, weht doch ein Hauch London und Royality durch die Gegend. Denn den ganzen Tag über strömen die Massen vorbei. Man beschwert sich, die Staue wäre zu klein, bei Disney sähe sie anders aus usw. Ein Innehalten vor der Statue und dem Meditieren über mein Lieblingsmärchen aus der Kindheit ist kaum möglich.

Der Amerikaner fragt schließlich: "What happened to her?"

Wir verlassen die Meerjungfrau und treten ins Hoheitsgebiet der Wikinger ein. Die See ist ruhig und der "Jahrhundertsommer" Mitteleuropas wärmt die kühlen Gefilde des Nordens.

In Göteborg, Schweden angekommen; kann es bisweilen vorkommen, dass man am Hafen von blumenbekränzten Sirenen empfangen wird, die wundervoll, melancholische, schwedische Volksweisen singen. Der Containerhafen mit Volvo Kraftwerk von Göteborg erscheint gleich nicht mehr ganz so trist und uneinladend.

Wir kommen nach Torslanda, Thors Land – sogleich empfangen uns die alten nordischen Götter, was das Tor zur Schärenlandschaft ist: karge Felsformationsinseln im Kattegatt/Ostsee.

Die Idylle auf diesen Inseln allein scheint schon von den Göttern begünstigt. Ins sanfte Gras schmiegen sich 400000-1 Million Euro Holzvillen mit frischem Farbanstrich und kunstvoll geschnitzten Giebeln. Die Heidelanschaft blüht in Lila-, Violett- und Bordeauxtönen. Weinrot und Weiß dominiert bei den Häusern. Das "ö" dominiert in der Sprache – heisst es doch Insel und "Öl" ist ein Bier. Öckerö, Björkö , Hönö - Namen der Inseln.
Sogar Rehe springen anmutig zwischen den Gartenzäunen hervor und fügen sich in das Stadtbild.

Im Heimatmuseum bekommt man Einblick in die Bauernhäuser. Alles ist klein, urig und voller Marienstatuetten. Die Menschen sind entspannt, die Kinder haben zehn Wochen Sommerferien, die Fähren zwischen den Inseln sind über Steuergelder finanziert und daher kostenlos benutzbar. So lässt es sich leben. Das dachten sich auch die Wikinger und bauten hier Siedlungen – ebenda, wo auch ein Gott wohnen würde – und nannten es Torslanda.

oslo-ankunftNorwegen: Im Bilderbuch-Oslo

Nachdem wir den Kategatt überquert haben, fuhren wir von Göteborg über den Skagerrak der Nordsee Richtung Norwegen. Gewaltige Fjorde beherrschen das Uferbild, und als Auftakt lohnt sich die Einfahrt in den prachtvollen Oslofjord, vorbei an den glitzernden Lichtern der weißen Holzhäuser, an den vorgelagerten Inseln und Felsen. Am Ende liegt das malerische Bilderbuch-Oslo. Es glänzt und blitzt alles nagelneu in der Stadt, riesige Blumenbouquets beherrschen die Innenstadt.

Rathaus OsloIm Rathaus hängen die typisch bunten norwegischen Gemälde. Die Themen sind vor allem das Leben und die Arbeit auf dem Land. Ein Besuch lohnt sich. Das von außen eher hässliche Gebäude birgt wahrhaft psychedelisch einzigartige Wandmalereien im Inneren.

Oslo Vigeland-ParkDer Stil ist im frühen 20. Jahrhundert verortet, ebenso wie der Stil des Bildhauers Vigeland, dessen Skulpuren allerorten in der Stadt, aber ganz besonders im Vigeland-Park betrachten werden können. Die nackten Menschen in bewegten Posen erinnern an einen in Stein gewordenen Leni-Riefenstahl-Film. Gewagte Paarungen und Positionen werden täglich von Touristen zehntausendfach fotografiert und das Ganze steigert sich am Ende des Parkes zu einer Menschensäule.

Noch mehr internationale Kunst von Goya bis Picasso findet sich in der Nationalgalerie, die vor allem von Edvard Munch beherrscht wird. Der berühmte "Schrei" hängt hier – unerwartet klein, zerkratzt, verblasst im Munch-Raum, dem einzigen, in dem nicht fotografiert werden darf. Das Bild hat einiges durchgemacht, was ihm deutlich anzusehen ist. Viel emotionaler packte mich aber ein anderes Gemälde von ihm: "Frau Inger in Schwarz". Eine lebendige Frau blickt mich von der anderen Seite des Portraits an, ein Moment in der Ewigkeit, ein Bild , das mir vor allem die besondere Gabe Munchs aufzeigte.

Schwelgen lässt sich auch in den Räumen der norwegischen Impressionisten. Dramatischste Landschaften, Gletscher und Berge als große Panoramen oder kleine Lichtstudien laden zum Versinken ein. Kon-Tiki Oslo SchiffsmuseumAllein durch diese Bilder ist man voller Vorfreude auf das Land Norwegen, kein Foto hätte die besondere Lichtstimmung des Momentes und die Farben der Natur eindringlicher gestalten können.

Oslo Osterinsel-SkulpturBevor es in die Natur geht, sollte zuvor das Kon-Tiki und das Wikingerschiffmuseum in Oslo besucht werden. Im Kon-Tiki-Museum stehen die Original-Schiffe Ra und Kon-Tiki des berühmten Seefahrers und Entdeckers Thor Heyerdal sowie unzählige mysteriöse Mitbringsel von den Osterinseln. Auch kleine Items , wie die alte Leica , die er zum Fotografieren benutzt hat, Kinokarten der ersten Filmvorstellung des Dokumentarfilmes und vieles mehr sind zu besichtigen.

Besonders mystisch jedoch in der Aufbereitung des Museums sind die überlebensgroßen Figuren: der Osterinseln, deren Bewohnern, deren Riten und Gebräuche, Moais, Kavakavas, Akuaku – die alten Geister.

Zurück zu den Wikingern: Ihre Originalschiffe lassen sich im Wikingerschiffmuseum bewundern …